Von Benedikt Scheungraber, Gründer von nebty und Hinweishelden
Ein Rechtsanwalt, den es wirklich gibt, ordentlich zugelassen bei seiner Kammer. Plötzlich tauchen unter seinem Namen angebliche Versteigerungen aus Insolvenzmasse auf, hochpreisige Autos, beworben über Google. Mit dem echten Anwalt hat das nichts zu tun. Seine Identität wurde schlicht gekapert. Die zuständige Rechtsanwaltskammer warnte sogar öffentlich vor der Masche. Trotzdem lehnte Google unsere Meldung der dazugehörigen Anzeigen ab, mit dem Hinweis, sie verstießen nicht gegen die Richtlinien.
Offline ging die Seite am Ende doch. Aber nicht wegen Google, sondern weil der Hosting-Anbieter reagierte. Ein Hosting-Anbieter, der über deutlich weniger Daten zu seinen Kunden verfügt als ein Werbekonzern, der täglich Milliarden von Anzeigen ausspielt.
Dieser Fall ist einer von vielen, die wir in den vergangenen Wochen für die ARD-Dokumentation „Die Wahrheit über Google“ untersucht haben. Und er bringt auf den Punkt, was unsere Auswertung insgesamt nahelegt.
Worum es in „Die Wahrheit über Google“ geht, und was wir dafür analysiert haben
Für die Dokumentation „Die Wahrheit über Google“, die am 30. Juni um 21:30 Uhr im Ersten lief, wurde ich als Experte interviewt. Im Zentrum unseres Beitrags stand eine einfache Frage: Wie häufig spielt Google bei ganz normalen Produktsuchen Werbeanzeigen von Fake Shops aus, und was passiert, wenn man solche Anzeigen meldet?
Bei Hinweishelden beschäftigen wir uns täglich mit betrügerischen Onlineshops. Für die Doku haben wir diese Arbeit in ein systematisches Experiment übersetzt.
Wie wir vorgegangen sind
Wir haben eine Liste von 100 produktbezogenen Suchbegriffen zusammengestellt, von Brennholz über Waschmaschinen bis hin zu weiteren typischen Alltagsprodukten. Diese Begriffe haben wir über mehrere Wochen im April und Mai 2026 täglich bei Google gesucht und die ausgespielten Werbeanzeigen erfasst.
Werbetreibende, die uns noch nicht bekannt waren, haben wir einzeln geprüft. Bestand der Verdacht auf Betrug, glichen wir den Shop mit dem Fake-Shop-Finder der Verbraucherzentrale ab. Gemeldet haben wir ausschließlich Fälle, die dort eindeutig als Betrug eingestuft wurden. Diese Meldungen liefen über das Google Ads Transparency Center, jeweils über das Formular der konkreten Anzeige. Für jede Meldung erhielten wir von Google eine Report-ID, die wir dokumentiert haben.
Weil die Suchen täglich weiterliefen, konnten wir außerdem nachverfolgen, wie lange eine gemeldete URL nach unserer Meldung noch in der Anzeigenrotation auftauchte.
Die Zahlen im Überblick
Über den gesamten Zeitraum kamen wir auf folgende Werte (die Zahlen sind das Ergebnis unserer eigenen Auswertung):
Gut zwei von hundert Werbeplätzen führten also zu einem Shop, der bei der Verbraucherzentrale als Betrug gelistet war. Das klingt nach wenig, summiert sich bei der schieren Menge an Google-Suchen pro Tag aber zu einer enormen Reichweite für die Betrüger.
Auf jede unserer Meldungen kam von Google die Auskunft, der Fall werde geprüft. Die gemeldeten Anzeigen blieben danach im Schnitt noch zwölf Tage in der Rotation. Rechnet man die Eintagsfliegen heraus, also Anzeigen, die ohnehin nur einen Tag liefen, waren es im Schnitt 19 Tage; in einem Fall tauchte eine gemeldete URL sogar noch 48 Tage nach unserer Meldung auf. Unsere Beobachtung legt nahe, dass die URLs am Ende weniger wegen einer gezielten Entscheidung von Google aus der Rotation verschwanden, sondern eher, weil sie nach und nach auf zu vielen Spam-Listen auftauchten. Im Katz-und-Maus-Spiel zwischen Betrügern und Betrugsjägern verhält sich Google auffällig zurückhaltend. Neutral, fast schweizerisch.
Kein Einzelphänomen
Dass über Suchmaschinen-Werbung viel Schaden entsteht, ist keine neue Erkenntnis. Eine vielbeachtete Untersuchung der Finanz-App Finanzguru gemeinsam mit dem Cybersecurity-Unternehmen LexMentis kam für das Jahr 2023 zu dem Ergebnis, dass mehr als 301.000 Menschen in Deutschland auf Fake Shops hereinfielen, mit einem wirtschaftlichen Schaden von über 94 Millionen Euro. Das berichtete unter anderem t-online im Juli 2024.
Besonders aufschlussreich an diesem Report: Viele Betroffene gelangten laut der Untersuchung über Werbung auf Plattformen wie Google, Facebook, Instagram oder TikTok zu den Fake Shops. Und die meisten betrügerischen Shops siedelten sich in Bereichen wie Brennholz, Fahrrädern, Kinderwagen und Markenkleidung an. Brennholz war auch bei uns einer der Testbegriffe.
Die einzelnen Schäden bewegen sich dabei meist im überschaubaren Bereich, klassisch sind etwa Haushaltsgeräte. Aber auch hier können hohe Summen zusammenkommen: Die teuerste in dem Report ausgewertete Überweisung lag bei 9.650 Euro und ging an einen Shop, der vorgeblich Haushaltsgeräte verkaufte. Unser Fall mit den angeblichen Auto-Versteigerungen, bei dem es um Beträge im mehrstelligen Tausenderbereich ging, ist die Ausnahme nach oben. Die Regel sind kleinere Beträge, dafür aber sehr viele.
Das Problem reicht über Fake Shops hinaus. Im Frühjahr 2026 warfen der europäische Verbraucherverband BEUC und 29 Verbraucherorganisationen aus 27 Ländern den Betreibern sozialer Medien vor, zu wenig gegen Anzeigen für betrügerische Anlageangebote zu tun. Von Dezember 2025 bis März 2026 meldeten sie den Plattformen 893 mutmaßlich rechtswidrige Anzeigen. Entfernt wurde nur ein Bruchteil: Meta nahm 146 von 503 gemeldeten Anzeigen offline, TikTok 79 von 360 und Google 18 von 30. Die Organisationen haben sich deshalb bei der EU-Kommission und nationalen Behörden beschwert, der Verbraucherzentrale Bundesverband will sich an die Bundesnetzagentur wenden. Google verweist darauf, mehr als 99 Prozent der problematischen Anzeigen zu blockieren, bevor sie überhaupt sichtbar werden. Meta gibt an, 2025 mehr als 159 Millionen Anzeigen entfernt zu haben, 92 Prozent davon, bevor sie jemand gemeldet hatte. Das berichtete Stiftung Warentest in der Ausgabe Finanzen 7/2026.
Was Sie als Verbraucher tun können
Die wichtigste Erkenntnis aus unserer Untersuchung ist unbequem: Verlassen Sie sich nicht darauf, dass eine Anzeige bei Google geprüft und seriös ist. Eine Werbeanzeige ganz oben in den Suchergebnissen ist kein Gütesiegel, sondern bezahlter Platz.
Ein paar einfache Schritte helfen, bevor Sie bestellen:
- Prüfen Sie den Shop, wenn Sie unsicher sind. Bei Hinweishelden können Sie nachsehen, ob ein Shop bereits als betrügerisch gemeldet wurde. Ergänzend lohnt der Blick in den Fake-Shop-Finder der Verbraucherzentrale.
- Misstrauen Sie auffällig niedrigen Preisen. Wenn ein Angebot deutlich günstiger ist als überall sonst, ist Vorsicht angebracht.
- Achten Sie auf die Zahlungsarten. Wird nur Vorkasse angeboten oder liegt die Bankverbindung im Ausland, sind das Warnsignale.
- Melden Sie verdächtige Shops. Jede Meldung hilft, andere zu schützen, und füttert die Listen, auf die sich Schutzmechanismen stützen.
Schon Geld verloren? Es gibt einen Weg
Wenn Sie über eine Google-Anzeige auf einem Fake Shop gelandet sind und Geld verloren haben, sind Sie damit nicht zwangsläufig am Ende. Unter Umständen bestehen Ansprüche gegenüber Google selbst, schließlich wurde die betrügerische Anzeige über die Plattform ausgespielt und beworben.
Hier kommt unsere eigentliche Stärke ins Spiel: Wir verfügen über umfangreiche Daten zu Fake Shops und können in vielen Fällen nachvollziehen, ob für einen konkreten Shop tatsächlich Anzeigen bei Google liefen. Genau diese Beweislage ist oft das, worauf es ankommt.
Wenn wir in einem Fall eine realistische Chance sehen, vermitteln wir Betroffene an eine spezialisierte Partnerkanzlei, die in dieser Sache bereits mehrere Klagen gegen Google eingereicht hat. Ein Erfolg lässt sich nie versprechen, das wäre unseriös. Aber es lohnt sich, den Fall einmal anschauen zu lassen, statt das verlorene Geld einfach abzuschreiben. Melden Sie sich dafür einfach bei uns.
Fazit
Unsere Untersuchung für die ARD-Doku zeigt ein nüchternes Bild. Fake Shops erscheinen regelmäßig in bezahlten Google-Anzeigen, und auf eine Meldung folgt erst einmal vor allem Warten. Bis sich eine als betrügerisch gemeldete Anzeige aus der Rotation verabschiedet, vergehen im Schnitt rund zwölf Tage, bei langlebigeren Anzeigen auch deutlich mehr. In dieser Zeit sieht sie weiter, wer danach sucht.
Der beste Schutz bleibt deshalb der eigene kritische Blick, kombiniert mit Werkzeugen, die schnell Klarheit schaffen. Und falls doch etwas passiert ist: Reden Sie mit uns, bevor Sie aufgeben.
Verwendete Quellen
- Finanzguru-Fake-Shop-Report 2024 (gemeinsam mit LexMentis), zitiert nach t-online, „Betrug im Internet: Hunderttausende Deutsche fallen auf Fake-Shops rein“, 09.07.2024. Link
- Fake-Shop-Finder der Verbraucherzentrale. Link
- Stiftung Warentest, „Betrügerische Werbung: Kritik an Google, Meta und TikTok“, Finanzen 7/2026, S. 24.
- Eigene Untersuchung von Hinweishelden / nebty für die ARD-Dokumentation „Die Wahrheit über Google“, April/Mai 2026.
Ich habe nebty gegründet, weil zu viele kleinere Brands digitalem Betrug schutzlos ausgeliefert sind. Mit Hinweishelden bringen wir denselben Schutz zu den Verbrauchern: kostenlos Fake-Shops melden und nachschlagen. Wenn das bei Ihnen Anklang findet, freue ich mich auf Ihre Nachricht.


